Die Wahl
...oder: Wer die Wahl hat, hat die Qual...
Foto folgt!
Bald werden Wahlen stattfinden. Doch welcher Partei kann man eigentlich noch vertrauen?
...oder sollte man gar nicht mehr zur Wahl gehen? Aber würde das unsere Demokratie auf Dauer aushalten?
Die Entscheidung ist sicherlich nicht einfach.

Anna
Ich verstehe das nicht! Papa hat gesagt, er wolle nicht zur Wahl gehen.

Mark
So denken aber heute viele Leute.

Anna
Leider! Unser Lehrer hat gesagt, wer nicht zur Wahl geht, unterstützt die Rechtsradikalen.

Mark
Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Papa das will.

Anna
Ich auch nicht. Aber trotzdem will er nicht wählen gehen.

Mark
Das ist ja auch gar nicht so einfach. Wüßtest du etwa, welche Partei du wählen würdest, wenn du schon wahlberechtigt wärst?

Anna
Hmm... Aber auf jeden Fall würde ich eine Partei wählen, die für Frieden und Demokratie eintritt, und die etwas gegen die hohe Arbeitslosigkeit unternehmen will.

Mark
Aber das sagen doch alle...

Anna
Nun ja, aber dann müßte man eben die Zähne zusammenbeißen und irgendeine Partei wählen, Hauptsache die Rechtsradikalen werden nicht unterstützt.

Mark
Papa sagt, für dieses Problem gäbe es eine ganz einfache Lösung...

Anna
Ach?

Mark
Man könnte die Nichtwähler bei der Berechnung der Sperrklausel einbeziehen.

Anna
Ha? Das verstehe ich nicht so richtig.

Mark
...also, Papa hat mir das so erklärt: Bislang muß jede Partei einen bestimmten Anteil der abgegebenen Wählerstimmen bekommen, wenn sie in´s Parlament einziehen will.

Anna
Klar doch, das weiß ich, ich glaube mindestens jede zwanzigste Stimme, nicht wahr?

Mark
Stimmt. Statt dessen könnte man es aber so machen, dass jede Partei einen bestimmten Anteil der Stimmen aller Wähler, egal ob sie nun gewählt haben oder nicht, bekommen muß, um in´s Parlament zu kommen.

Anna überlegt...
Ja, ich verstehe. Dann würde es gar keine Rolle mehr spielen, ob die Wahlbeteiligung hoch oder niedrig ist. Die Rechtsradikalen hätten keinen Vorteil mehr davon.

Mark
Genau so ist es. Damit wäre das Problem aus der Welt.

Anna
Aber warum macht man das denn nicht? Das wäre doch wohl kein Aufwand, das zu ändern. Unsere Politiker sind ja nicht dumm, die hätten ja auch von selbst darauf kommen können.

Mark
Papa meint, die Politiker selbst wären nicht dumm, aber sie wollten das Volk verdummen...

Anna
...auch demokratische Politker?

Mark
So demokratisch wären demokratische Politiker nun auch wieder nicht, meinte Papa. Da gäbe es nicht viele Unterschiede zu den Radikalen.

Anna
Aber ist das denn nicht gefährlich für die Demokratie? Warum machen die denn so etwas?

Mark
Sicher ist das gefährlich. Die demokratischen Politiker wollen unbedingt, dass möglichst alle Leute zur Wahl gehen und dann möglichst die alten Parteien wählen.

Anna
Das kann man ja verstehen. Jeder will ja schließlich versorgt sein.

Mark
Aber die Politiker müssen doch ernsthaft argumentieren. Es ist doch wohl ziemlich schlimm, wenn sie einfach nur sagen: "Wählt uns, sonst kommen die bösen Nazis dran. Wir sind das geringere Übel."

Anna
Ehrlich gesagt bin ich froh, dass ich keine Politikerin bin. Ich wüßte wirklich nicht, wie man unsere Probleme lösen könnte.

Mark
Zunächst einmal müssen Politiker ehrlich sein. Dann hätten die Leute auch wieder mehr Vertrauen zu ihnen.

Anna
Das hört sich ja gut an. Aber woran könnte ich das denn als Wählerin erkennen?

Mark
...zunächst einmal daran, dass Politiker nichts versprechen dürfen, was völlig unrealistisch ist.

Anna
Ja, das hat Papa auch schon gesagt. Arbeit für alle wird es womöglich nie wieder geben.

Mark
...jedenfalls nicht zu unseren Lebzeiten. Das Problem ist, dass die Rechtsradikalen für solche Probleme ganz einfache Lösungen anbieten, die man verstehen kann.

Anna
Hä? Wenn die Rechtsradikalen sagen "Ausländer ´raus!", dann kriegen wir damit doch nicht unsere Arbeitslosigkeit weg.

Mark
Das ist das Problem, denn ein Funke Wahrheit liegt schon in der Sache.

Anna
Was soll das denn? Willst du die Rechtsradikalen in Schutz nehmen? Das ist doch wohl das Allerletzte!

Mark
Nun, als vor fast 50 Jahren die ersten ausländischen Gastarbeiter in´s Land kamen, haben sie in der Tat nur die Drecksarbeiten gemacht, die kein Deutscher mehr machen wollte.

Anna
Siehst du!

Mark
Doch die Zeiten haben sich geändert. Mittlerweile gibt es türkische Rechtsanwälte, Ärzte, Universitätsprofessoren, Geschäftsleute etc..

Anna
...und die sind dann sehr wohl eine Konkurrenz für die Deutschen auf dem Arbeitsmarkt?

Mark
Das kann man wohl kaum abstreiten.

Anna
In meiner Klasse sind sechs Ausländerkinder. Die sind alle sehr fleißig und wollen mal studieren.

Mark
...vielleicht nimmt dir dann einer von denen mal später deinen Job weg.

Anna
Wie kann man so was sagen? Die sind doch alle sehr nett, und ich mag sie.

Mark
Das ändert aber alles nichts an den Tatsachen.

Anna
Aber soll man denn deswegen jetzt alle Ausländer ausweisen, was die Rechtsradikalen fordern?

Mark
Bestimmt nicht. Aber es ist ebenso schlimm, die Probleme, die sich ergeben haben, zu verharmlosen. Eines Tages kann der Staat einfach nicht mehr die vielen Arbeitslosen unterhalten, egal ob es nun Deutsche oder Ausländer sind.

Anna
...und dann?

Mark
Dann kommt die Chance der Rechtsradikalen.

Anna
Bloß nicht! Kann man denn nicht vorher etwas dagegen tun?

Mark
Unsere demokratischen Politiker sind da wohl auch ziemlich ratlos und versuchen diese Probleme einfach zu verdrängen.

Anna
Aber so etwas funktioniert nicht auf Dauer.

Mark
Bestimmt nicht.

Anna
Aber, was kann man machen? Die Probleme kommen doch nicht von selbst in Ordnung.

Mark
Papa meint, es führe kein Weg an Einwanderungsquoten vorbei. Offene Grenzen könnten wir uns nicht mehr leisten. Ein anderes Problem wäre die mangelhafte Geburtenkontrolle der meisten Ausländer.

Anna
Damit wären wir ja wieder bei Papas Lieblingsthema...

Mark
Papa meint, die Werbekampagnen der Regierung für´s Kinderkriegen würde die Gebärfreudigkeit der Ausländer gerade noch steigern.

Anna
...und das ist dann auch wieder Wasser auf die Mühlen der Rechtsradikalen. Statt dessen sollten wir doch froh sein, dass wir Deutschen nur noch so wenige Kinder haben und für die anderen ein Vorbild damit sein.

Mark
Das sehe ich auch so. Aber selbst, wenn wir einen guten Grund haben, auf unser Land stolz zu sein, dann machen uns die demokratischen Politiker wieder alles kaputt.