Haben Kinder ein Recht auf Religion?
 

Mit der Wahrnehmung des Rechtes auf religiöse Selbstbestimmung haben schon Erwachsene Schwierigkeiten, denn es ist problematisch sich aus den Zwängen der in der Kindheit erfahrenen meist einseitigen religiösen Indoktrination zu lösen. So wird das vorgeschobene "Recht auf Religion" de facto rasch zu einer "Pflicht zur Religion".

 

 

 

aus meinem alten Religionsheft, ca. 1964

Ein "Recht auf Religion" setzt die Möglichkeit des Einzelnen voraus, die Annahme oder Verweigerung dieses Rechtsanspruches in Eigenverantwortung selbst frei entscheiden zu können. Das betrifft sowohl Kinder als auch Erwachsene. Die Möglichkeit einer "freien Entscheidung" ist aber derzeit weder für Erwachsene und erst recht nicht für Kinder gegeben. Religion wird den Menschen durch Kindertaufe aufgezwungen, oder gar schon durch die Zufälligkeit der Geburt vorgeschrieben.

Abfall von der Religion (Apostasie) wird immer noch streng bestraft, in einigen Ländern gar mit der Todesstrafe. In der Bundesrepublik Deutschland muss man ggf. mit mit dem Verlust seines Arbeitsplatzes und seiner wirtschaftlichen Existenz rechnen, wenn man sich dieses Verbrechens schuldig gemacht hat. Das Recht auf eine freie Findung einer individuellen religiösen oder nichtreligiösen Identität wird mit Füßen getreten.

Um den Menschen diese Freiheit zu ermöglichen, müssten jenen eigentlich alle Religionen und der Atheismus durch angemessene Werbung angeboten werden. Die Betreffendenen müssten so die Möglichkeit bekommen, sich frei und einseitig unbeeiunflusst eine eigene Meinung bilden zu können. Hier bekommen wir schon praktische Probleme. Diese Leistung kann weder das Elternhaus, die Schule noch der Staat leisten. Natürlich machen alle Religionsgemeinschaften - mit Ausnahme der jüdischen - Missionsarbeit für ihre jeweilige Religion, jedoch kommt es dabei zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen, da der Staat die Religionen ungleich behandelt und seine Verpflichtung zur religiös weltanschaulichen Neutralität verletzt. So werden die Menschen, vor allem auch Kinder, tendenziös beeinflusst.

Es ist zweifelsfrei so, dass das "Recht auf Religion" von interessierten Stellen hemmungslos missbraucht wird. Aber kann der Missbrauch eines Rechtes gar das Recht selbst in Frage stellen? Eindeutig nein, aber die Ausübung des Rechtes muss verantwortungsvoll umgesetzt werden. Das geschieht zumindest derzeit nicht.

Unsere Gesetze räumen den Menschen desto mehr Selbstbestimmungsrechte ein, desto eher sie in der Lage sind, selbst über ihr Leben zu entscheiden. Kinder sind dazu aber in der Regel mangels persönlicher Lebenserfahrungen noch nicht dazu fähig, daher gibt es besondere Jugendschutzgesetze, die Kinder vor schädlichen Einflüssen durch Alkohol und Rauchen, gewaltverherrlichden Filmen, Prostitution etc. schützen sollen. Dabei unterstellt unsere Obrigkeit, dass deratige Einflüsse für die Kinder schädlich sind, während eine religiöse Erziehung sogar nützlich sein soll. Aber natürlich soll es die "richtige" Religion sein, sogenannte "Sekten" werden werden diskriminiert und verfolgt - sicherlich nicht ganz zu Unrecht, aber der Staat mißt da wieder einmal Recht und Moral mit zweierlei Maß und übt Zensur.

Dem zu Folge wird den Kindern ein "Recht auf Religion" eingeräumt, wenn es sich um den Katholizismus, Protestantismus, der jüdischen Religion und auch um den Islam handelt. Natürlich ist es offensichtlich, dass einflussreiche klerikale Kreise hier wieder Druck ausgeübt haben, um ihre Privilegien und Existenz zu sichern, und um sich die für sie "schädliche" Konkurrenz der "Sekten" vom Halse halten zu können. Das alles geht zum Schaden der Kinder. Einen prinzipiellen Unterschied zwischen destruktiven "Sekten" zu den bereits etablierten destruktiven Staatsreligionen gibt es nicht.

Haben Kinder also ein Recht auf Religion? Wenn wir den Jugendschutz ernst nehmen wollen, kann die Antwort daher nur "nein" lauten.